HORMONE 9: Hormone und dein Tagesrhythmus

13. Oktober 2020

1. Hormone prägen den Tagesrhythmus 

Anhand weniger bekannter Hormone, wie Melatonin, Serotonin, Testosteron, Östrogen und Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, lässt sich exemplarisch sichtbar machen, wie intensiv Hormone unser Sein bestimmen.

Wann es abends Zeit ist, ins Bett zu gehen, erfährt unser Körper von dem Hormon Melatonin. Es wird in den Tiefen des Gehirns produziert, in der Epiphyse. Sie entspricht dem Sahasrahra Chakra. Über mehrere Zwischenstationen erhält die Epiphyse von den Augen Informationen darüber, ob es draußen noch hell ist. Solange dies der Fall ist, wird die Produktion des Schlafhormons Melatonin unterdrückt. Erst wenn es dunkel wird, schüttet die Epiphyse es vermehrt aus. Über das Blut wird es im Körper verteilt und vermittelt in den Zellen und im Gehirn: Es ist Zeit, schlafen zu gehen. Dann werden wir müde. Dies erklärt auch, warum wir im Winter dazu neigen früher schlafen zu gehen, oder länger zu schlafen, weil es draußen länger dunkel ist.

Natürlich gibt es verschiedene Ausprägungen dieser Regulation: "Eulen"-Menschen, die abends länger wach und morgens länger müde sind, werden weniger von der Melatonin-Ausschüttung bei Dunkelheit beeinflusst als "Lerchen", die abends schneller müde sind. Dafür kommen Frühaufsteher beim ersten Morgenlicht und der damit verbundenen zurückgefahrenen Melatonin-Produktion besser aus dem Bett.

Also schlussfolgerte man, dass künstlich hergestelltes Melatonin als Schlafmittel funktioniert. Doch vielen, die schlecht schlafen, hilft es nicht. Woran das liegt, können die Wissenschaftler bislang nicht sagen. Hier kann uns die Lehre des Ayurveda behilflich sein. Ayurveda sieht den Menschen als Ganzes mit dem Rhythmus des Kosmos verwoben. Dazu gehören auch Energien und Schwingungen, die wir durch den Tag/Nacht-Wechsel aufnehmen.

Serotonin wird vor allem tagsüber ausgeschüttet und gilt deshalb auch als Wachhormon. Testosteron wird besonders in der ersten Tageshälfte ausgeschüttet und Cortisol in der zweiten Nachthälfte. Erst das richtige Zusammenspiel all dieser Hormone bestimmt, wann wir uns „bettreif“ fühlen – und ob wir auch gut schlafen.

 

2. Hormone bestimmen die Liebe 

Die Welt steht scheinbar still. Die Augen strahlen, wir und fühlen uns unbesiegbar, wir erleben ein Hochgefühl. "Diese Aspekte der Verliebtheit stehen nicht unter bewusster Kontrolle", erklärt der Biopsychologe Peter Walschburger. Für manche Begleiterscheinungen der großen Gefühle gibt es ganz unromantische physiologische Erklärungen. So werden beispielsweise das Herzklopfen beim Anblick der geliebten Person und die scheinbar unendliche Kraft, die Verliebte spüren, durch einen steigenden Adrenalin-Spiegel ausgelöst.

Ab dem Moment des „coup de foudre“, dem Blitzschlag der Liebe, dreht sich die Welt häufig nur noch um den Partner Das hat ebenfalls hormonelle Gründe: Die Psychologin Donatella Marazziti wies nach, dass bei frisch verliebten Personen der Serotonin-Spiegel im Blut auf ein fast krankhaft niedriges Niveau sinkt, ähnlich wie bei Menschen, die an einer Zwangserkrankung leiden oder besonders eifersüchtig sind. Das bewirkt eine Art Tunnelblick, fanden Forscher heraus: Sosehr man es auch versucht, es ist unmöglich, nicht an den geliebten Menschen zu denken. Ein niedriger Serotonin-Spiegel geht oft mit Nervosität und Traurigkeit einher. Deswegen kann die Euphorie des Verliebt-Seins blitzschnell der Niedergeschlagenheit und Unsicherheit Platz machen, wenn sich beispielsweise der Partner nicht meldet oder ungewohnt kühl reagiert. 

Vor allem Oxytocin fördert die emotionale Bindung an den Partner. Es wird bei angenehmem Körperkontakt wie Streicheln oder Massagen, beim Küssen und in besonders hohen Dosen während des Orgasmus ausgeschüttet Es wirkt angstlösend und senkt nachweislich die Ausschüttung von Stresshormonen. Die Folge ist ein Gefühl der Geborgenheit und eine erhöhte Empathie-Fähigkeit.

 

3. Hormone leiten neue Lebensabschnitte ein

Auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist die Pubertät eine entscheidende Entwicklungsphase. Den Startschuss für die turbulenten Jahre gibt die Produktion des Proteins Kisspeptin. Es sorgt über mehrere Zwischenschritte dafür, dass die Sexualhormone LH und FSH ausgeschüttet werden. Bei Jungen kurbeln sie die Bildung von Testosteron an, das unter anderem Hoden und Penis wachsen lässt.

Bei Mädchen werden Östrogene gebildet, die Brust beginnt zu wachsen. Neben der Ausbildung der Geschlechtsmerkmale findet in der Pubertät außerdem die letzte große Wachstumsphase statt: Das steht in engem Zusammenhang mit der Ausschüttung der Geschlechtshormone. Bis zu acht Zentimeter im Jahr schießen die Mädchen in die Höhe, bei den Jungen sind es sogar bis zu zehn Zentimeter. Durch die verstärkt vorhandenen Sexualhormone neigen die Jugendlichen aber auch zu impulsiveren und emotionaleren Reaktionen. So kann es in der Phase, in der die Abnabelung von den Eltern oft Konflikte aufwirft, schnell zur viel zitierten Launenhaftigkeit und zu Streitereien kommen.

Einige Jahrzehnte später, meist zwischen 40 und 60, geht die Konzentration der Geschlechtshormone wieder zurück, was sich besonders bei den Frauen bemerkbar macht: In den Wechseljahren, dem Klimakterium, wird die Produktion des Östrogens verringert, bis der Menstruationszyklus mit der Monatsblutung aussetzt – die reproduktive Phase der Frau ist damit beendet. Diese weitreichende Umstellung ist oft unangenehm: Schweißausbrüche, Libido Mangel, Depressionen, Entzündungen und Trockenheit im Scheidenbereich, Gereiztheit sind keine Seltenheit.

Doch gleichzeitig entdecken Frauen in dieser Phase ihre innere Kraft und Kreativität. Alte Rollenmuster werden in Frage gestellt und Alltagsgewohnheiten kommen auf den Prüfstand. Diese Zeit ist für manche langjährige Beziehung für beide Partner eine erstaunliche Zerreißprobe. Nicht immer hält die Beziehung stand.

Mit gezielten Übungen aus dem Übungsprogramm: Yoga für Göttinnen , in Kombination mit der Aktivierungsatmung kann schon nach kurzer Zeit wieder Balance in „wild gewordene“ Hormone gebracht werden und neben Kraft auch Harmonie und Besonnenheit Platz finden. Viele Frauen berichten, dass ihre Wechsaljahre Symptome sich bessern, bzw. ganz verschwinden!

E-Paper:  www.zeit.de/zeit-wissen/2013/04/hormone-haushalt-botenstoffe